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geistiger Amoklauf und politischer Amoklauf.

Aus aktuellem Anlass, aber etwas verspätet:
Wegen des Amoklaufes eines 17-Jährigen in Winnenden drehen die Medien wieder durch und fordern strengere Gesetze.
Fragt sich nur - was bringt das ?

Problem eins: Die Umsetzung. Gesetze sollen einen präventivcharakter haben, also den möglichen Täter durch Abschreckung an seiner Tat hindern. Der Durchschnittsverbrecher kann damit rechnen, dass er wegen seiner Kindheit, schweren Schicksalsschlägen etc. nach der Hälfte der Zeit raus ist. Die richtig üblen Verbrecher stecken das Geld ein, kaufen ein Schloss im Ausland und drehen dem Fiskus noch eine Nase. Strafe ? Fehlanzeige.

Problem zwei: Die Psyche der Täter. Mord an sich ist bereits verboten. Totschlag auch. Dennoch sterben weiterhin viele Menschen. Kindesmißbrauch mit Todesfolge ist mindestens genauso verwerflich wie Amoklauf an Schulen, beides ist sehr, sehr strafwürdig. Nur in beiden Fällen hilft das Gesetz nicht die Tat zu verhindern. Denn die richtig Kopfkranken interessieren sich nicht mehr für die Gesetze. Wenigstens werden die meisten Amokläufer im Gegensatz zu Mißbrauchstätern nie wieder Rückfällig (Denn Tote Amokläufer sind tot !).

Jetzt frage ich mich, was bringt da eine Verschärfung des Gesetzes ? Wäre es nicht besser die Umsetzung zu überprüfen ? Im Strassenverkehr sind Verkehrskontrollen an der Tagesordnung. Dort sterben statistisch auch noch sehr viele Personen - Verkehrsopfer sind im Vergleich zu anderen Todesursachen recht häufig. Sie heissen so, weil die Menschen sie bereitwillig dem modernen Gott der Mobilität opfern und keiner ein umweltpolitisch sinnvolles Verbot von privaten Kraftfahrzeugen haben will. Oder zumindest den hochmotorisierten mit mehr PS als ein VW Käfer. In der Wirtschaftswelt kann jeder Arbeitgeber seine Mitarbeiter zu Tode mobben lassen, Herzinfarkte und Stresstote (z.B. Familienmorde als Folge beruflichen scheiterns) werden nicht erfasst. Kontrollen ? Keine. Der Mensch bleibt auf der Strecke.
Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.
Und dann wundert sich plötzlich wieder jeder öffentlich, warum ein Mensch durchdreht.

Genauso ist das auch mit den Wahlen, wenn plötzlich ganz ungewohnte Stimmverschiebungen stattfinden. Alle haben durch Ignoranz, wegschauen und so weiter dazu beigetragen, keiner will es gewesen sein. Ganz plötzlich hat dann bei 20% Wahlbeteiligung eine Randgruppe 51%. Schlagartiges öffentliches Bedauern. Wo war nochmal das Problem ?

Das Problem ist der Mensch. Er geht nicht friedlich aber einfordernd auf die Politik zu. Er fordert nicht friedlich aber bestimmt seine Mitmenschen zu besserem Verhalten auf, wo immer etwas falsches passiert. Nein. Er rennt dem goldenen Dollar nach, belügt, verleumdet und verrät dafür. Sich selbst, seine Freunde, seine Nachbarn, seine Mitmenschen. Und sein Umfeld lässt ihn dies tun.

Nicht als Problem darf man den einzelnen Amokläufer oder Kinderschänder oder Wirtschaftskriminellen sehen - sie sind das sichtbar werdende Symptom der geistig krankenden Gesellschaft. Das Problem liegt viel tiefer begraben. In jedem Schädel der wegsieht und ignoriert steckt auch ein Stück mehr oder weniger ein Verbrecher an der Menschlichkeit. Moralische Passivität ist unterlassene Hilfeleistung an der Gesellschaft.

Noch mal zur Klarstellung: ich möchte hier keine Amokläufe oder Kinderschänder schönreden. Aber was in den Köpfen der Bevölkerung momentan abgeht - oder besser was dort nicht abgeht - macht mir große Sorgen. Diverse Morde in der selben Woche wie Winnenden - vom Familienvater der seine Familie abschlachtet bis zu betrunkenen Elternmördern. Die abgestumpfte Gesellschaft macht daraus eine Randnotiz. 3 Zeilen in der Internet-Zeitung, 15 Sekunden in den Tagesnachrichten. Herzlichen Glückwunsch, Gesellschaft. Willkommen in der Verrohung ohne Vorbilder.

Vielleicht hängt das auch irgendwie mit der PISA-Studien-Symptomatik zusammen ?

Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Zitat - Heinrich Heine

22.3.09 22:47
 


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